Auf den Spuren eines Kshatriya 9 – Eine Reise in die Vergangenheit - in ein früheres Leben - Thrunelli nach Kodungallur
- Anja
- 26. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 30. Nov. 2025
„Zwischen den Welten – von Thrunelli nach Kodungallur"
Der Morgen ist still. Vom Zimmer aus sehe ich keine Spur des Flusses, nur das sanfte Grün der Hügel, die im Nebel liegen. Ein paar Hotelangestellte tragen Gepäck zum Auto, und als ich hinunterkomme, sehe ich Viju schon dort – beschäftigt, konzentriert, ganz in seinem Element.
„Ready, Madam?“ fragt er, ohne aufzublicken. Ich nicke nur, lächle leicht. Er prüft noch einmal die Taschen im Kofferraum – als wollte er sicherstellen, dass auch wirklich alles ordentlich verstaut ist, bevor wir losfahren.
Die Straße windet sich durch dichte Wälder, vorbei an stillen Dörfern, in denen Frauen bunte Wäsche an Leinen hängen und Kinder mit aufgeplatzten Flipflops hinter einem Ball herlaufen. Ab und zu ein alter Tempel am Wegesrand, eine einsame Kuh, die mitten auf der Fahrbahn steht – Kerala in seiner alltäglichen Poesie.
Wir sprechen wenig. Die Fahrt hat ihren eigenen Rhythmus, ein leises Summen aus Wind, Straßenstaub und Gedanken. Ich schaue hinaus, während Viju in gleichmäßigem Tempo lenkt, als kenne er jede Kurve seit Jahrhunderten.

An einer schmalen Wegbiegung hält Viju plötzlich an. Zwischen zwei Palmen steht ein winziger, unscheinbarer Schrein – kaum mehr als ein paar Steine und eine Messingschale, halbverwelkte Blüten darin. Die Einheimischen nennen ihn einen „Ort der Aufmerksamkeit“: jeder, der vorbeikommt, bleibt kurz stehen, legt vielleicht eine Blume hin oder verneigt sich still.
Ich steige aus, bücke mich und pflücke eine einzelne Blüte, die direkt neben dem Schrein wächstund lege ich sie dazu – einfach so, aus einem Impuls heraus. Viju murmelt trocken: „Madam… again, very spiritual.“ Ich muss lachen. „Vielleicht nur höflich“, antworte ich. Er schüttelt den Kopf, grinst kaum merklich. „No, Madam… this is something else.“ Dann startet er den Motor, als wäre damit alles gesagt.
Später halten wir an einem kleinen Gasthaus am Fluss. Der Boden klebt, die Deckenventilatoren drehen sich träge, aber das Essen ist herrlich – Reis, Curry, ein Stück Fisch, und dazu ein süßer Limetten-Soda. Ich kaufe noch ein Bier für später; Viju lacht, sagt, das sei „good idea for meditation“. Wir essen schweigend, jeder in seinem eigenen Rhythmus, doch das Schweigen ist kein Abstand, eher ein ruhiges Einverständnis.
Die Landschaft verändert sich, wird flacher, dichter besiedelt. Statt der kühlen Wälder rund um Thirunelli ziehen nun Dörfer, bunte Häuser und Kokospalmen vorbei. Es fühlt sich an, als würde das Land selbst seine Schichten wechseln – von stiller Heiligkeit zu lebendiger Geschichte.
Am späten Nachmittag erreichen wir Kodungallur. Der Himmel brennt in warmem Orange, und irgendwo in der Ferne hängt der Duft von Räucherwerk in der Luft.
Viju hilft beim Ausladen, wartet, bis alles beim einchecken erledigt ist, und sagt dann nur:„Tomorrow… again temple day.“ Ich nicke.
Der Tag endet still. Ich sitze am Fenster, das Licht fällt golden auf die weißen Vorhänge. Es ist, als läge zwischen Thirunelli und Kodungallur nicht nur eine Fahrt, sondern eine ganze Welt –




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