top of page

Auf den Spuren eines Kshatriya 14 – Eine Reise in die Vergangenheit - in ein früheres Leben - Coimbatore

  • Anja
  • 6. Dez. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Coimbatore –


Madurai – Coimbatore: Straße, Chai, Tempelblicke und Curry

Der Morgen beginnt klar und warm. Ich verlasse Madurai nach einem letzten Blick auf die goldenen Kuppeln des Meenakshi-Tempels – allein, wie immer. Die Straßen noch frisch vom Regen, Mopeds summen, Kühe trotten durch Pfützen, und irgendwo riecht es nach frisch gebratenem Huhn.

Viju sitzt am Steuer, die Hände locker am Lenkrad, Augen konzentriert auf die Straße. „Today, Madam, long drive. But many small surprises,“ sagt er trocken, und ich nicke lächelnd. Die ersten Kilometer führen durch Dörfer, deren Häuser wie aus der Zeit gefallen wirken: schiefe Dächer, kleine Schreine am Straßenrand, Kinder balancieren barfuß über enge Dämme.

Nach einer Weile halten wir an einem winzigen Straßenstand. Plastikhocker, dampfender Chai in kleinen Bechern. „Madam, tea first,“ sagt Viju, bevor ich überhaupt etwas sagen kann. Ich nippe, der Zucker knistert auf der Zunge, Ingwer wärmt von innen. Ein alter Mann verkauft gebratene Bananen dazu, außen knusprig, innen weich. „Perfect snack for road,“ meint Viju, ich lache.

Kurz darauf erreichen wir den Sendraya Perumal Temple, berühmt, aber hoch über 500 Stufen. Ich sehe ihn von unten, die Treppen wirken endlos. „No way, Madam climbs today,“ sagt Viju lachend, und ich stimme zu. Von hier aus kann man immerhin die goldenen Kuppeln und den Tempelvorplatz erkennen, die Sonne glitzert auf den bunten Figuren. Ich stelle mir vor, wie die Kshatriyas hier einst Schutz boten, Rituale abhielten und die Ordnung bewahrten – alles aus der Ferne, von unten, respektvoll.

ree

Die Straße wird hügeliger, die Luft schwerer, die Palmen dichter. Viju zeigt auf kleine Felsen und Tempelruinen am Wegesrand. „Chera history here,“ murmelt er beiläufig. Ich nicke, denke an alte Krieger, die hier über Handelswege wachten, an Mut und Ordnung, die sich bis heute in den Menschen spüren lassen.

Mittagspause in einem kleinen Dorf: schäbiges, aber voll besetztes Lokal. Plastikstühle, wackelige Tische, Neonlicht, das flackert. „Best food, Madam. Always fresh, always spicy,“ sagt Viju stolz. Das Fish Curry dampft, Parottas duften, etwas zu viel Chili sorgt für leuchtend rote Wangen – aber jedes Gericht ist perfekt. Wir lachen, essen langsam, beobachten die Dorfbewohner, wie sie sich vorbeischieben, Kinder rennen durch den Hof, und irgendwo kräht ein Hahn.

Nach der Pause weiter Richtung Coimbatore. Die Landschaft wechselt: Reisfelder, Wasserläufe, Dörfer, in denen das Leben dicht und lebendig ist. Kleine Schreine tauchen auf, einige mit roten Fäden umwickelte Shiva-Lingams, andere kaum größer als eine Handfläche. Ich spüre die Spuren der Geschichte, das Chera-Erbe, die Kraft der Kshatriyas, die vielleicht noch zwischen den Hügeln lebt.

Am späten Nachmittag erreichen wir Coimbatore. Die Stadt wirkt hektisch, aber in den Seitenstraßen sind noch kleine Tempel, enge Gassen, Teestände. Ich checke in ein einfaches Hotel ein, Zimmer klein, ruhig, direkt in einer Seitenstraße, mit Blick auf grüne Hügel im Hintergrund. Ich lasse den Koffer fallen, atme tief ein – Staub, Hitze, Tamil Nadu empfängt mich sanft.

Am Abend noch ein kurzer Spaziergang zum kleinen Laden gegenüber, Obst und Wasser besorgen. Straßenhändler, das entfernte Hupen, Düfte von Küchen – alles verschmilzt. Ich setze mich aufs Bett, öffne das Fenster, sehe die Lichter der Stadt, denke an den Tag: die Straße, Tempel, Curry, Menschen. Alles fühlt sich echt an, alles lebendig – und irgendwie vertraut.

Kommentare


bottom of page